
Zum Start der Sanierung: Wetzlarer Bismarckturm jetzt in 3D
Die lang ersehnte Sanierung des Wetzlarer Bismarckturms beginnt. Der Wetzlarer Henning Plaul bringt den Turm zudem zum digitalen Leben. Wie er das gemacht hat.
Wetzlar. Es tut sich etwas am Wetzlarer Bismarckturm: Lange war die Garbenheimer Warte – seit einem Umbau 1901 als „Bismarckturm“ bekannt – eingezäunt, der marode, mittelalterliche Wachturm immer wieder Thema in den städtischen Gremien. Jetzt wird dort ein Baugerüst gestellt, sprich: Die lang ersehnte Sanierung beginnt. Zuvor hatte sich bereits der Wetzlarer Henning Plaul des Wahrzeichens angenommen – und zwar aus der Luft. Er hat den Bismarckturm mit einer Drohne digital erfasst und anschließend mit einer Software zu einem 3D-Modell verarbeitet.
Zunächst Kuppel und oberen Rundlauf absichern
Bald soll es losgehen mit dem ersten Sanierungsschritt am Wetzlarer Bismarckturm, sagt Thorsten Rohde auf Nachfrage der Redaktion. Er ist Vorsitzender des Fördervereins Kalsmunt. Dieser nimmt sich auch des denkmalgeschützten Bauwerks auf dem Lahnberg an, eine Fördervereinbarung mit der Stadt Wetzlar als Eigentümerin wurde unterschrieben. Der erste Sanierungsschritt am Bismarckturm beinhalte zunächst die Absicherung der Kuppel und des oberen Rundlaufs, so Rohde.
Die Kuppel ist es denn auch, die aktuell das größte Problem am Wetzlarer Wahrzeichen darstellt. Sie hat Risse bekommen, Wasser dringt ein. Die Sanierung soll dies stoppen.
Rückblick: Der zunehmende Verfall am Turm war jahrelang Thema der Kommunalpolitik. Bereits 2014 hatte ein Gutachten einen Sanierungsbedarf in Höhe von 350.000 Euro ermittelt, eine Lösung war lange nicht absehbar. Die Stadt hatte die Garbenheimer Warte eingezäunt, immer wieder fielen und fallen Steine herunter. Diesen Zustand will der Förderverein Kalsmunt ändern: Der Verein, der seit 2022 die Sanierung und Unterhaltung des Kalsmunt-Turms übernommen hat, will dies auch für den Bismarckturm tun. Er änderte hierfür eigens die Satzung.
Vereinbarung zwischen Stadt und Verein
Eine Vereinbarung zwischen Stadt und Verein wurde getroffen: Der Verein verpflichtet sich demnach, die anstehenden Maßnahmen in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde vorzunehmen. Die Stadt gewährt dem Verein für die Sanierung in den kommenden zwei Jahren je 50.000 Euro sowie weitere 5.000 Euro für den Unterhalt. 40.000 Euro gewährt die Wetzlarer Bürgerstiftung. „Wir freuen uns über weitere Unterstützung“, sagt Rohde, der auf die Homepage des Vereins unter www.kalsmunt.com verweist.
Den Bismarckturm von allen Seiten digital erfasst und zu einem 3D-Modell verarbeitet, hat indes der Wetzlarer Henning Plaul. Er hat zahlreiche hochauflösende Luftaufnahmen aus unterschiedlichen Perspektiven erstellt. „In diesem Fall waren rund 1.000 Fotos nötig, um das Bauwerk möglichst vollständig und detailreich zu erfassen“, sagt Plaul auf Nachfrage der Redaktion. „Die Software berechnet aus diesen Aufnahmen ein digitales 3D-Modell des Turms“, fügt der Wetzlarer hinzu. Zu sehen ist es unter www.sky-scan.de/bismarckturm-wetzlar-3d-modell.
Turm von allen Seiten digital erfasst
Gerade bei historischen Bauwerken biete diese Technik Vorteile: Gebäude können digital dokumentiert, erhalten und für die Zukunft archiviert werden. Im Fall des Bismarckturms besonders interessant, da der Turm seit Jahren nicht begehbar ist. „Durch das 3D-Modell kann man das Bauwerk dennoch virtuell erkunden“, sagt Plaul.
Zusätzlich biete ein solches Modell spezielle Möglichkeiten zur Vermessung: Entfernungen, Höhen, Flächen oder einzelne Details am Bauwerk können direkt im Modell nachvollzogen werden. „Damit eignet sich die Digitalisierung nicht nur zur anschaulichen Präsentation, sondern auch zur Dokumentation und Analyse“, sagt der Wetzlarer.
Entfernungen, Höhen, Flächen nachvollziehen
Gerade bei Restaurierungen historischer Bauwerke könne ein solches 3D-Modell hilfreich sein. „Man hat die Möglichkeit, das Bauwerk in Ruhe digital zu betrachten und die einzelnen Steine, Fugen und Oberflächen gezielt abzusuchen.“ Schäden ließen sich in der Realität oft nur mit Hubsteigern, Gerüsten oder aufwendiger Sicherung genauer untersuchen. „Besonders an schwer erreichbaren Stellen können Auffälligkeiten durch die digitale Erfassung deutlich leichter identifiziert und dokumentiert werden.“ Auch beim Bismarckturm sei im Modell zu erkennen, dass im oberen Bereich Risse im Beton beziehungsweise im Mörtel vorhanden seien, der die Steine miteinander verbinde.
Die Drohnenaufnahmen hat Plaul mit einer DJI Matrice 4E Drohne gemacht, für das 3D-Modell die Software DJI Terra benutzt.
Quelle: www.mittelhessen.de 28.06.2026













